Geschäftsmodell René Benko

Wie René Benko eine der führenden Immobilien­gesell­schaften in Zentraleuropa aufgebaut hat

2012 hat der 35-jährige Tiroler René Benko einen Mega-Coup gelandet. Mit seiner Immobiliengruppe Signa übernimmt der junge Immobilienmagnat in Deutschland nach monatelangen Verhandlungen um 1,1 Milliarden Euro 17 Kaufhäuser und eine Garage. Herzstück des Portfolios ist das Traditionshaus Kaufhaus des Westens (KaDeWe).

Das 60.000 Quadratmeter große KaDeWe besuchen täglich bis zu 50.000 Kunden aus aller Welt. Damit ist es das größte Kaufhaus Kontinentaleuropas. Der 1907 eröffnete und zuletzt 2004 umgebaute Einkaufstempel erstreckt sich über sieben Etagen und ist berühmt für seine Gourmetabteilung. Im Zweiten Weltkrieg wurde er stark beschädigt.

Karriere und Geschäft

Den Grundstein seines Erfolgs hat René Benko mit 18 Jahren gelegt, als er einem Freund half, der in Tirol Dachböden ausbaute. Benko war vom Geschäft fasziniert, entschied sich für die Branche – und gegen die Matura. Seit 1999 hat Benko einen Immobilienkonzern geschaffen, der heute auf ein Portfolio von 5,5 Milliarden Euro verweisen kann.

Im Jahr 2000 traf er auf Karl Kovarik, den Erben des Stroh-Tankstellenimperiums. Mit Startkapital von Kovarik errichtet Benko in Österreich Ärzte-Zentren, in einer Zeit, als Gruppen-Praxen noch unüblich waren. Im günstigen Berlin sammelt die damals noch als Immofina tätige Gesellschaft rund 35 Zinshäuser ein.

„Ich habe mir immer Topleute geholt, weil mir als junger Unternehmer die Berufserfahrung und die Netzwerke fehlten", sagt Benko. Im Beirat der Signa-Gruppe sitzen Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der frühere Porsche-Boss Wendelin Wiedeking, Casinos-Austria-Chef Karl Stoss und Wüstenrot-Generaldirektorin Susanne Riess.

Projekte

Zu den bekanntesten Projekten zählen das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck sowie in Wien in den Tuchlauben das „Goldene Quartier“. Dieses erstreckt sich vom Hof bis zu den Tuchlauben. Im November 2012 eröffneten dort die ersten Shops von Nobelmarken, darunter Giorgio Armani und Louis Vuitton. In den oberen Stockwerken entstehen Nobelwohnungen. In dem Komplex befindet sich auch das Penthouse, in dem einst Helmut Elsner wohnte. Die Ex-Länderbank-Zentrale am Hof wird derzeit zu einem 5-Sterne-Hotel umgebaut. Benko erwarb zudem das Immobilienpaket der Bank Austria mit Häusern wie Meinl am Graben, das Bank Austria Kunstforum oder die Getreidegasse 1 in Salzburg.

Hohe Renditen erfreuen Großinvestoren wie den Miteigentümer, den griechischen Reeder George Economou.

Planungssicherheit

Betreiber des KaDeWe bleibt Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen. Alle Objekte, darunter auch die Filiale am Berliner Kurfürstendamm und jene beim Münchener Hauptbahnhof, sind langfristig an die Kaufhauskette Karstadt vermietet. Die langfristigen Mietverträge waren wohl ausschlaggebend für Benkos Engagement. Denn damit ist Planungssicherheit verbunden.

Signa ist kein typischer Immobilienentwickler, der die Objekte nach einigen Jahren wieder mit Gewinn abstößt. Kaufen und behalten dürfte auch in diesem Fall die Strategie sein.

Erweiterung des Geschäftsmodells

Die lmmobilien besaß er schon, jetzt wollte René Benko auch die darin liegenden Geschäfte betreiben: Die Signa-Holding gab im September 2013 bekannt, dass sie 75,1 Prozent des operativen Geschäfts der Karstadt Premium-Group und 75,1 Prozent des Karstadt-Sports-Geschäfts übernehmen wird.

Mittlerweile ist die von ihm gegründete Signa Holding Österreichs größtes privates Immobilien­unternehmen und engagiert sich auch im großen Maßstab in Deutschland und Norditalien.

In den letzten Jahren hat sich die Signa Holding zusätzlich im Handelssektor mit dem Erwerb von Karstadt, Kika/Leiner, zahlreichen Online-Retailern und Galeria Kaufhof etabliert.

Daneben erwarb die Signa Holding im November 2018 auch Medienbeteiligungen an den populärsten Zeitungen in Österreich, dem Kurier (24,22%) und der Krone (24,5 %).

Die Shopping-Krone

Anfang 2020 landet René Benko einen weiteren Mega-Coup. Österreichs Immobilien-Star blättert zusammen mit seinem thailändischen Partner Central Group mehr als eine Milliarde Franken für die Schweizer Warenhauskette Globus hin.

Nummer 1 im Sporthandel

Im Februar 2020 bekommt Benko grünes Licht vom Bundeskartellamt: Seine Kaufhauskette Galeria darf den deutschen Sportartikelhändler SportScheck mit 19 Standorten und einem Online-Shop von der Otto Group übernehmen. Benko wird damit der führende Anbieter im Sport- und Outdoor-Einzelhandel in Deutschland mit einem Marktanteil unter 15%. Der Preis des Millionen-Deals bleibt geheim.

Elbtower-Projekt in Hamburg

Signa wird in den kommenden Jahren - Baubeginn ist Anfang 2021, die geplante Fertigstellung ist für Mitte 2025 vorgesehen - den Elbtower nach Plänen von David Chipperfield Architects Berlin als Hochaus direkt an den Elbbrücken realisieren.

René Benko ist Multimilliardär und gehört zu den reichsten Österreichern.