Geschäftsmodell Frank Stronach
Die Erfolgsgeschichte und das Geschäftsmodell von Frank Stronach
Frank Stronach, Industrieller und Milliardär, wurde am 6. September 1932 in Kleinsemmering
bei Weiz in der Steiermark/Österreich geboren. Er besuchte die Pflichtschule in
Weiz.
Lehrreiche Jahre
Im Herbst 1946, mit gerade 14 Jahren, fing Frank Stronach als Lehrling bei der ELIN
AG für elektrische Industrie in Weiz an. 1952, mit nicht ganz 20 Jahren, ging er
als Maschinist nach Bern in die Schweiz. Nach nicht viel mehr als einem Jahr ging
er wieder ab, um in Graz einen angeblich verantwortungsvollen Posten zu übernehmen.
Mit Steyr-Daimler-Puch in Graz wurde es nichts. Stattdessen ging er als Werkzeugschlosser
zur Firma Mosdorfer nach Weiz.
Werkzeuge
Die Zeit in Bern war nicht vertan, er brachte einen Koffer voller Werkzeuge und
Messinstrumente mit, die man bis dato in Weiz noch nicht gesehen hatte. Dort hielt
es ihn jedoch nicht lange.
Ins Ausland
Er schrieb die Botschaften der USA, Kanadas, Australiens und Südafrikas an. Aus
Kanada kam die erste Antwort. Ein vier Jahre älterer Freund und Kollege aus der
Montageabteilung der ELIN in Weiz sollte ihn begleiten. Die Reise führte mit dem
Zug nach Rotterdam, dort auf einen Überseedampfer und endete im kanadischen Hafen
Québec. Die beiden jungen Arbeiter mussten auf dem Dampfer Kohle schaufeln. Wichtiger
als das wenige Geld das sie mithatten, waren die Adressen von ausgewanderten Landsleuten.
Frank wollte sein Glück in Montreal versuchen, fand sich aber nur mühsam zurecht.
Selbstständigkeit
Nach etlichen Gelegenheitsjobs als Balljunge, Geschirrspüler und Maschinist war
es ihm 1957 gelungen, sich in seinem erlernten Beruf selbstständig zu machen. Er
zog von seinem ersten Wohnort Kitchener in das hundert Kilometer entfernte Toronto.
Dort fand der Werkzeugmacher aus Österreich endlich die passende Arbeit, verdiente
besser und mietete sich einen garagenähnlichen Backsteinbau. Er kaufte sich eine
gebrauchte Drehbank und schlief auf einen Feldbett in der Werkstatt. Nach einem
Jahr hatte Stronachs Firma „Accurate Tool and Die“ (Präzisionswerkzeuge und Formen)
den ersten Angestellten, nach einem weiteren Jahr waren es schon zehn. Ein früherer
Monteur aus der ELIN in Weiz war Kompagnon in dieser ersten Gesellschaft. Stronach
schaffte es, sich zur Welt der Autozulieferer Zugang zu verschaffen. Dazu gewann
er einen Werkzeugkonstrukteur von General Motors, Burton Pabst, für seine Firma,
den er schon 1956 als angestellter Werkzeugmacher kennen gelernt hatte. Bald schon,
1959, kam der erste Durchbruch: General Motors bestellte bei der kleinen Firma im
Osten von Toronto 300.000 metallene Aufhängungen für Sonnenblenden. Die jungen Unternehmer
lieferten pünktlich und präzise.
Guter Standort
Toronto erwies sich als sich als günstiger Standort. Von hier waren es nur fünf
Stunden nach Detroit, der Auto-Metropole der USA. Es war tatsächlich die gute Ausbildung
in Weiz und in Bern, die den jungen Stronach im Kampf um die Aufträge der großen
Autofirmen aus der Konkurrenz heraushob.
Erster Durchbruch
General Motors zahlt nicht nur für die Sonnenblenden, sondern auch für die Anfertigung
des für die Produktion nötigen Werkzeugs, in der die jungen Handwerker unschlagbar
waren. Von nun an ging es bergauf. Die Werkstatt wurde zu klein. Die Firma wich
in den Norden der Stadt aus und benannte sich in „Multimatic Investments Limited“
um.
Frank Stronach holte sich immer wieder aus seinen bekannten Umfeld, aus Weiz und
Umgebung, aus der korrekten Elin und anderen staatsnahen Betrieben qualifizierte
Kräfte nach Kanada.
Zweiter Durchbruch
Ein weiterer großer Durchbruch folgte im Dezember 1968: Stronach und Pabst verschmolzen
ihre Firma Multimatic mit der Magna Electronics, einer schon börsennotierten Firma,
die Flugzeugteile und Rüstungsgüter produzierte. Pabst wurde 1971 Vorstandsvorsitzender,
Frank Stronach wurde Vize-Präsident. Der Gründer von Magna schied aus dem Unternehmen
aus.
Stronach hatte auch das Glück des Tüchtigen. Ihm kam nun ein Freihandelsabkommen
zwischen Kanada und der USA zugute, das besagte, für jedes Auto, das die amerikanischen
Konzerne in Kanada verkauften, sollte auch dort eines hergestellt werden. Dieser
Pakt wurde 1965 geschlossen und war ein dirigistischer Eingriff des Staates in die
Wirtschaft. Er kam der Firma Multimatic enorm entgegen. Als Stronach seinen Posten
bei der Magna antrat, erreichte der große Autoboom aufgrund des Freihandelsabkommens
- es gab keine Zollschranken für Autoexporte nach den USA - seinen Höhepunkt.
Politische Lehren
Als die USA 1971 mit der Wirtschaftspolitik ihres Präsidenten in Turbulenzen kamen
und kräftige Importzölle erhoben, war für einen Augenblick auch der Autopakt in
Gefahr. Der damalige US-Präsident Richard Nixon hielt eine große Rede, die für viele
Firmen das Ende ihres USA-Geschäftes bedeutete. Den Autopakt erwähnte Nixon nicht.
Frank Stronachs Glück hing damals von einem Wort in der Rede Nixons ab. Stronach
begriff, dass man sich von der Politik was erwarten dürfte, aber sie auch fürchten
müsste.
Das Modell der Gewinnverteilung
1976 führten Frank Stronach und sein Vorstandsvorsitzender Burton Pabst das Modell
der Gewinnverteilung ein, das ein großer Erfolg wurde und bis heute seine Gültigkeit
hat. Arbeitnehmer und Manager bekommen seither einen festen Anteil am Profit des
Unternehmens.
Gliederung in Produktgruppen
1978 gliederten Sie den Konzern in Produktgruppen, in sogenannte Module um. Auch
dies trug enorm zum Erfolg der Firma bei.
Stimmrecht ist Macht
Im gleichen Jahr begann die Gesellschaft zwei Klassen von Aktien auszugeben. Neben
einfachen A-Aktien gibt es B-Aktien. Letztere haben das fünfhundertfache Stimmrecht.
Das hatte den Sinn, das Kapital großer Anleger und das Know-how junger Manager wie
Stronach und Pabst zusammenzuführen. Diese Regel gestattet es der Familie Stronach,
mit nur 2 Prozent der Anteile, den ganzen Konzern zu kontrollieren.
Das Modell der Autonomie
Stronach und Pabst gewährten den Geschäftsführern der einzelnen Fabriken eine sehr
weit gehende Autonomie. Pabst stieß die behördenähnliche Struktur der großen Autohersteller,
wie er sie in Detroit kennengelernt hatte, ebenso wie die Macht der Gewerkschaften,
ab. Dieses Prinzip der Autonomie hat sich bis heute erhalten und wird von Management-Experten
gelobt. Heute besteht der Magna-Konzern aus vielen, international tätigen Gesellschaften,
von denen viele selbst an der Börse gehandelt werden. Für Magna Steyr in Österreich
ist ebenfalls der Börsengang geplant.
Der nächste Boom ließ nicht lange auf sich warten. Um 1980 wurden in Amerika erstmals
haltbarere Autos erzeugt. Die bessere Haltbarkeit erstreckte sich zunächst nicht
auf alle Teile eines Fahrzeugs. Deshalb wurden mehr gute Ersatzteile gebraucht,
was wiederum Magna zugute kam.
Dritter Durchbruch
Der dritte Durchbruch kündigte sich an. Im Erfolgsjahr 1981 entschieden Stronach
und Pabst sich ganz auf Autoteile zu konzentrieren und die anderen, von der alten
Magna übernommenen Sparten wie Rüstungsgüter und Industriekomponenten abzustoßen.
Magna wollte in die Tiefe gehen, nicht in die Breite. Auch das war eine richtige
Entscheidung, wie sich bald herausstellte.
Als in den achtziger Jahren ein erster Trend zur Globalisierung einsetzte, beschlossen
viele Automobilkonzerne Fabriken in Kanada zu errichten. Diese Ansiedlungen, alle
in der Nähe der Magna-Produktionsstätten gelegen, waren ein später Segen des Autopakts:
Von Kanada aus konnte man ohne Zollschranken den US Automarkt erobern. Zudem stand
der kanadische Dollar günstig zum US-amerikanischen, und die Arbeitskosten waren
und sind bis heute niedriger. Magna profitierte kräftig und entwickelte sich innerhalb
von wenigen Jahren zum Konzern von Weltformat.
Alleinherrschaft
Burton Pabst stieg 1983 aus den Unternehmen aus. Seine Aktien verkaufte er zum größten
Teil an Frank Stronach. „Jetzt weiß ich, dass es ein Fehler war!", sagt er heute.
Seither beherrscht Stronach den Konzern allein.
Die große Krise
Der größte Boom in den achtziger Jahren führte die Magna in ihre schwerste Krise.
1989 hatte der Konzern noch einen Überschuss von fast $ 34 Millionen erzielt, im
Jahr darauf fuhr er einen Verlust von sagenhaften 294 Millionen Dollar ein. Der
Schuldenstand lag deutlich über einer Milliarde. Die Stronachs drohten ihre Fabriken,
ihre Rennpferde, selbst ihr Haus zu verlieren. Ausgelöst hatte den Wirbel eine Absatzkrise
bei den Big Three der amerikanischen Autoindustrie - Ford, Chrysler und General
Motors -, gefolgt von einer scharfen Rezession. Die Banken ergriff Panik über die
enorme Schuldenlast, die der Magna-Konzern in der Phase seiner raschen Expansion
angehäuft hatte. Als die erste unter ihnen ihren Kredit kündigte, folgte die zweite
nach, und das Verhängnis nahm seinen Lauf: Der Kurs der Magna Aktie sank um 95%.
Später hat Stronach einen Systemfehler für die Katastrophe verantwortlich gemacht.
Die weit gehend autonomen, oft noch jungen Manager hatten zur Expansion ihrer Betriebsstätten
munter Schulden gemacht, ohne sich um den Anstieg des gesamten Kreditvolumens zu
scheren. Als Lehre aus dem Beinahe-Crash von 1990 gilt die Bestimmung, dass jeder
noch so kleine Kredit über die Zentrale laufen muss.
Krisen und die Politik
Im Autogeschäft geht es immer rasch um Fragen von nationaler Bedeutung, und das
nicht nur aus symbolischen Gründen, sondern weil viele andere Branchen sich um dieses
Leitprodukt gruppieren. Stronach hatte die Bedeutung der großen Politik für das
Gedeihen seines Geschäfts früh begriffen und immer großen Wert auf ein herzliches
Verhältnis zu den Mächtigen gelegt. In der Krise wirkten sich seine politischen
Bande segensreich aus. Einer der größten Gläubiger der Magna, die Bank of Nova Scotia,
wollte Frank Stronach aus dem Magna-Konzern hinaus werfen und den bekanntesten Sanierungsexperten
des Landes an seine Stelle setzen. Da bekam der Vorstandsvorsitzende der Bank, Cedric
Ritchie, einen Anruf von einem gewissen Ed Lumley. Dem Anrufer zufolge soll sich
das Gespräch so abgespielt haben: "Ich fragte Ced: ‚Heißt Magnas Problem Frank Stronach?’
Und Ritchie sagte ja. ‚So, und heißt die Lösung für Magna Frank Stronach?’ Er sagte
wieder ja und hielt den Kredit aufrecht." Der Mann, der so überzeugende Kurztelefonate
führen konnte, war der frühere kanadische Handelsminister gewesen. Nach seinem Ausscheiden
aus der Politik gehörte er zahlreichen Vorständen großer kanadischer Unternehmen
an. Im Dezember 1989, mitten in der tiefsten Krise, trat der dem Vorstand der Magna
International bei und blieb Firma immer treu.
Mag das Gespräch den Ausschlag gegeben haben, so war der Ausweg aus der Krise erst
noch zu schaffen. Magna entließ im großen Stil, schloss und verkaufte Fabriken und
die konzerneigenen Düsenflieger. Ford und Chrysler gründeten ein Jointventure-Unternehmen
gemeinsam mit ihrem angeschlagenen Zulieferer und ermöglichten es ihm so, wichtige
Betriebsteile zu behalten. Kredite wurden umgeschuldet oder gleich ganz in Anteile
umgewandelt. Kurz vor der großen Krise 1988, hatte Stronach, noch unbemerkt von
einer größeren Öffentlichkeit sein erstes Werk in der Steiermark gebaut.
Firmenphilosophie
Jetzt wurde Europa für den Weltkonzern immer wichtiger. Zu groß war die Abhängigkeit
von den drei großen Amerikanern gewesen. Rasch und vorwiegend mit geliehenem Geld
kaufte Stronach sanierungsbedürftige mittlere Unternehmen auf und unterwarf sie
seiner Firmenphilosophie, wonach keine Fabrik mehr als 300 Leute umfassen sollte.
Was zu groß war, wurde geteilt. Schon 1991 stiegen die Magna-Aktien der Börse von
Toronto um 204%, ein Umstand, dem Frank Stronach bis heute die anhaltende Liebe
seiner Anteilseigner sicherte. 1993 war die Krise überstanden. Kurz darauf beschloss
General Motors, noch einmal weitere Teile seiner Produktion auszulagern. Stronach
bekam die Aufträge.
Rationalisierung und Unternehmensorganisation
In zahlreichen Büchern, die sich mit Rationalisierung und Unternehmensorganisation
beschäftigen, fungiert Magna als strahlendes Beispiel. Dort hatte es schon Lean
Management, schlanke Strukturen, gegeben, als der Begriff noch gar nicht erfunden
war. Immer schon war jede Magna-Betriebstätte ein eigenes Profitcenter, wo der Chef
alles selber entschied und nie Anträge bei irgendwelchen Finanzabteilungen oder
bei der Hauptverwaltung einreichen musste. Inzwischen sind die wichtigsten Magna-Sparten
eigenständige Aktiengesellschaften mit hoch professionellen Vorständen und würdigen
Aufsichtsräten, bei denen die Zentrale nur noch aufpassen muss, dass sie sich nicht
gegenseitig mit Konkurrenzprodukten in die Quere kommen.
Ganze Module sind gefragt
Bei Magna haben sie schon früh verstanden, wohin bei der Produktion die Reise ging.
Nicht mehr die einzelnen Teile waren gefragt, sondern ganze Systeme und Module wie
ein Dach, ein Innenraum oder ein Heck.
Die Hersteller haben begonnen das Design und die Entwicklung ihrer Fahrzeuge zuzukaufen.
Und Magna stand bereit. Magna Steyr nahe dem Geburtsort Frank Stronachs liegend,
versetzte den Konzern erstmals in die Lage, komplette Autos zu fertigen. Die großen
Autohersteller sind froh, dass es jemanden gibt, der ihnen wenigstens eines ihrer
erheblichen Risken abnimmt.
Das Geheimnis des Erfolgs
Fragt man Frank Stronach nach dem Geheimnis seines Erfolgs, so spricht er demütig
von dem „Glück“, das er gehabt habe, und weist dann auch auf seinen Verdienst hin:
„Je mehr ich gearbeitet habe, desto mehr Glück hatte ich.“
Stronachs Genie
Stronachs Genie liegt in der Unternehmensorganisation. Schon die kleine Firma Multimatic
in Richmond Hill im Norden von Toronto hatte einen strengen und präzisen Chef, der
sich nichts nachsagen lassen wollte, stets pünktlich lieferte und nur exakte Werkstücke
durchgehen ließ. Bei der ELIN war es der ganze Ehrgeiz der Werkzeugmacher gewesen,
auf den Zehntelmillimeter genau zu feilen. Daran hat sich nichts geändert. Auch
als die Magna groß wurde, blieb sie immer ganz auf das Produkt und auf die Produktion
orientiert. Auch die Verwaltung, das Controlling und die Personalführung waren nach
diesem Prinzip aufgebaut. Für komplizierte Modelle hatte der Chef keinen Sinn.
Er war Arbeiter, kein Betriebswirt und schon gar nicht ein Marketingsstratege. Die
Kunden schätzten das. "Es gibt Reparaturwerkstätten", sagte ein Einkäufer eines
Autoherstellers, "bei denen ich in einem spiegelnden Büro meinen Autoschlüssel einer
professionell lächelnden Dame gebe und ich werde dann irgendwann am Nachmittag mit
weich gespülter Stimme verständigt, dass mein Wagen nun zur Abholung bereitsteht.
Das brauche ich nicht. Ich will in die Halle, will den Monteur sehen und mit ihm
sprechen können. Nur so habe ich Vertrauen." Diesem Bedürfnis trägt die Magna bis
heute Rechnung. Sie liefert ein ehrliches Produkt. Das Gespür für das, was seine
Kunden wollen, ist Frank Stronach nie abhanden gekommen.
Autozulieferer brauchen keine zündenden Werbeideen und müssen nicht raffiniert nach
Nischen suchen. Bei ihnen geht es um den Preis - Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit
einmal vorausgesetzt. Ein guter Preis lässt sich vor allem durch optimale Organisation
erreichen. Bei Frank Stronach organisierten die Monteure sich mehr oder weniger
selbst, ähnlich wie 1946 bei der ELIN, als fast der ganze Vorstand und die Verwaltungsetage
verschwunden waren. Man darf das nicht mit Basisdemokratie verwechseln. Es war eher
eine Art Diktatur der Tüchtigen. Wer etwas leistete, bekam vom Chef die Vollmacht
und von den Kollegen die schuldige Anerkennung. Im Betrieb regierte der Chef, und
er hatte immer genügend technisches Verständnis, um die Bedeutung einer Neuerung
sofort zu erfassen. Das funktioniert bis in die Gegenwart und auf technologisch
hohem Niveau. Für Stabsabteilungen, komplizierte Entscheidungsstrukturen und Konferenzmarathons
fehlte Stronach dagegen der Sinn. Er war kein Mann des Wortes, sondern einer der
Tat. Seinen Leuten kam das sehr entgegen.
In der Wertschöpfungskette nach oben steigen
Das heißt nicht, dass sich die Fantasie des Unternehmens jemals nur auf braves Abliefern
beschränkt hätte. Stronach wollte aufsteigen und groß werden. Und im Unterschied
zu vielen anderen, die ebenfalls groß werden wollen, hatte er einen Instinkt für
die Richtung des Aufstiegs: Magna musste in der Wertschöpfungskette nach oben steigen.
Das Ziel bestand nicht darin, immer mehr Außenspiegel immer billiger herzustellen,
sondern sich mehr und mehr den Kopf der Kunden zu zerbrechen und ihnen immer komplexere
Produktionsaufgaben abzunehmen. Magna mit seinen vielen unterschiedlichen Betrieben
- die meisten zusammengekauft - hatte fast alles zu bieten, was es für ein Auto
braucht: vom rohen Blech bis zur Motortechnik. So konnte die Magna früher als andere
dazu übergehen, nicht mehr nur Einzelteile, sondern ganze Module anzubieten. Den
Kunden war das mehr als recht. Wäre Magna 1990 Pleite gegangen, hätten die großen
Autohersteller die kunstvollen Produktionsketten, mit denen etwa ein Autodach gebaut
wurde, zerschlagen und dann mühsam wieder zusammenfügen müssen. Da war es viel leichter,
die Magna zu erhalten.
Klonen
Den Werkstattcharakter hat auch der Weltkonzern mit seinen über 70.000 Mitarbeitern
nicht abgelegt. Als die Magna wuchs, begann Stronach sich gewissermaßen zu klonen:
Er baute keine Pyramide, sondern viele kleine Werkstätten, jede geführt von einem
fachkundigen und allein verantwortlichen Chef. Anfangs galt die Formel, kein Betrieb
dürfe mehr als hundert Mitarbeiter haben, später waren es dreihundert. Inzwischen
gibt es große Ausnahmen, aber das Prinzip ist noch immer intakt. Es sind Betriebe,
in denen jeder jeden kennt, jeder durch die Werkshalle gehen muss und keiner in
Verwaltungsetagen verschwindet. Der Geschäftsführer des Betriebs ist fast völlig
frei in seinen Entscheidungen. Kein Betriebsrat und kein Controller funkt ihm dazwischen.
Versagt er, muss er gehen, hat er Erfolg, wird er reich - steinreich.
Fair Enterprise
Zu den Grundsätzen des „Fair Enterprise“, der Stronachschen Unternehmensphilosophie,
gehört eine feste Verteilung der Gewinne. Ein großes Thema sind vor allem die zehn
Prozent des Gewinnes, die an die Mitarbeiter ausgeschüttet werden. Viel wirkungsvoller
und bedeutsamer aber sind die sechs Prozent, die an das Management gehen. Siegfried
Wolf, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Magna International und Chef der
europäischen Gruppe Magna Steyr, verdiente im Jahr 2002 mehr als der Chef von DaimlerChrysler,
Jürgen Schrempp: stolze 7,8 Millionen Euro. In der Liste der bestbezahlten Manager
in der Plastikindustrie Nordamerikas belegten im Jahr 2003 vier Magnarianer die
vier ersten Plätze: Siegfried Wolf vor Belinda Stronach, James Nicol und Frank Stronach.
Recruiting
Dass es bei solchen Bezügen keine Kunst ist, Topleute für die Magna zu gewinnen,
kann man sich leicht vorstellen. Trotzdem hat Stronach sich bei der Personalauswahl
nie von sensationellen Karrieren blenden lassen und sich selten auf den kleinen
Edelmärkten für die Bestbezahlten herumgetrieben. Er blieb in Personalfragen ein
Entdecker. Nicht wenige der heutigen Multimillionäre im Kosmos der Magna haben klein
angefangen, nicht selten als Handwerker. Andere hat der Chef persönlich in der Steiermark
rekrutiert.
Mithilfe der Magnarianer schaffte Stronach es, seinem Konzern, auch nachdem er eigentlich
unüberschaubar geworden war, den Geist des Gründers zu erhalten. Noch immer riecht
es in den entlegendsten Werken irgendwie ein bisschen nach Frank.
Mit einem Auge hatte Stronach immer über den Atlantik geschielt, wenn er gute Leute
haben wollte. Schon früh begann er damit, in österreichischen Zeitungen zu inserieren
und gezielt nach österreichischen Werkzeugmachern zu suchen. Dutzende gingen nach
Kanada. Die Initiation ins Reich der Magna war immer gleich: Die erste Fahrt ging
zum Autohändler, einen Dienstwagen aussuchen. Dazu gab es die Chrysler-Karte, mit
der man überall in Amerika umsonst tanken konnte. Frank war großzügig, erwartete
aber hundertprozentigen Einsatz: zur Not sechzehn Stunden am Tag, sieben Tage die
Woche. Wer sich nicht voll einsetzte, war schnell wieder weg.
Quelle:
Let's be Frank. 7 CDs + MP3-CD
Rückzug bei Magna im August 2010
Frank Stronach, der bisher auf Basis eines "Zwei-Klassen-Aktiensystems" über seine
B-Aktien mit 300-fachem Stimmrecht die Entscheidungsgewalt bei Magna hatte, gibt
diese Kontrolle nun ab. Die B-Aktien werden eingezogen - im Tausch für seine 727.000
B-Shares erhält Stronach 9 Millionen normale A-Aktien. Sein Stimmgewicht sinkt damit
von 66 auf nur mehr 7,4 Prozent. Diese Abgabe der Kontrolle über seinen Konzern
lässt sich der gebürtige Steirer mit insgesamt knapp einer Milliarde Dollar abgelten.
Frank Stronachs neue Pläne
Magna-Gründer setzt sein Kapital für Elektroautos, Rinder, Pferde und Wälder ein
Beim Autozuliefer- Konzern Magna ist Frank Stronach seit der Abgabe der Stimmrechtsmehrheit
zwar "nur" Aufsichtsratspräsident und größter Einzelaktionär. Doch daneben investiert
er vermehrt in andere Projekte: "Ich zieh mich nicht zurück, im Gegenteil. Jetzt
hab ich mehr Zeit für Neues."
An der jetzt gegründeten "Magna E-car Systems", die sich mit der Entwicklung von
Elektroautos befasst, hält er 27%, den Rest der Magna- Konzern. Allerdings sind
die Verträge so abgefasst, dass Stronach dort das Sagen hat. Startkapital sind 300
Millionen Dollar. Eine der ersten Investitionen wird in ein Batteriewerk sein. Als
möglicher Standort ist neben Spanien auch das Burgenland im Gespräch. Die Entscheidung
darüber fällt in den nächsten Wochen.
Daneben hat Frank in Florida 20.000 Hektar Land erworben. Auf diesem will er in
die Rinderzucht einsteigen und Föhrenwälder (für Biomasse) anpflanzen.
Erfahrung mit großen Tieren hat er schon lange: In Kanada betreibt der "Stronach-Trust"
(Frank und Familie) sehr erfolgreich eine Rennpferdezucht mit rund 1500 Tieren.
Die dort gezüchteten Hengste werden um zweistellige Millionenbeträge an Araber verkauft.
Bei Magna selbst ist Stronachs Einfluss bis auf weiteres auch noch immer sehr groß:
Denn der Aufsichtsrat, wo im Prinzip seine Vertrauten sitzen, blieb auch nach der
Änderung der Aktionärsstruktur unverändert. Und Tochter Belinda sitzt nach wie vor
im Vorstand. Sohn Andrew kümmert sich hingegen um die Pferdezucht.