Irrtümer beim Netzwerken

Netzwerken ist ganz einfach? Falsch. Denn die karrierefördernde Kontaktpflege lockt in viele Fallen.

Gestern Abend noch bei der Podiumsdiskussion samt anschließendem Umtrunk, heute Mittag zu Tisch mit der Geschäftspartnerin und zwischendurch das Xing-Profil aktualisiert und auf Facebook vorbeigeschaut? Viele in der Businesswelt setzen auf Netzwerken große Stücke, egal ob es in der realen oder der virtuellen Welt. Dass in Sachen Kontaktpflege aber auch einiges schief gehen kann, liegt auf der Hand.

Hier die sieben schlimmsten Irrtümer beim Netzwerken und wie Sie sie vermeiden.

  • Irrtum 1: Netzwerken ist eine ganz leichte Sache.
    Netzwerken braucht situativen Small Talk, Wertschätzung und Geduld. Klingt banal. Aber die Schwierigkeit ist, den Mut aufzubringen, diese einfachen Dinge auch zu tun. Nicht jedem ist die Fähigkeit zum Netzwerken von Natur aus gegeben. Einfach nur einen Abend pro Woche mit einem Glas in der Hand herumzustehen und mit anderen zu plaudern, reicht nicht. Aber man kann Netzwerken lernen, wenn man sich etwas Mühe gibt. Der erste Schritt dazu: zuhören. Wer nur davon erzählt, was er selbst für ein toller Hecht ist, erreicht das Gegenteil von dem, was er will.

  • Irrtum 2: Netzwerken rechnet sich immer.
    Eine Stunde am LyonsClub Buffet = ein neuer Kunde? Tun Sie sich den Stress erst gar nicht an, den Gegenwert Ihrer in Netzwerken investierten Zeit zu errechnen. Die meisten Netzwerkhandlungen lassen eine wertmäßige Beurteilung gar nicht zu, denn es geht nicht immer vordergründig um Wirtschaftlichkeit. Messen Sie den Wert des Netzwerks lieber nicht direkt am eigenen wirtschaftlichen Erfolg, sondern an dem Wissenszuwachs, der sich einstellt, wenn man offen auf immer neue und interessante Menschen zugeht.

  • Irrtum 3: Je mehr Menschen ich persönlich kenne, desto besser ist mein Netzwerk.
    Falsch. Viel wichtiger ist es, wie gut die Vermittler sind, die Sie zu Ihrem Netzwerk zählen. Denn oft helfen Bekannte von Bekannten mehr weiter als die eigentlichen Bekannten. Warum? Dieses so genannte „Netzwerk der schwachen Verbindungen" hat oft Informationen, über die das eigene Netzwerk nicht verfügt, weil diese Quasi-Fremden einen anderen Hintergrund haben, in einem anderen Umfeld tätig sind und dadurch anders denken. So sind sie ein unschätzbarer Wertzuwachs für das eigene Netzwerk.

  • Irrtum 4: Netzwerken ist sehr zeitaufwendig.
    Alles eine Frage der Definition: Wenn Sie es als Pflichtübung sehen, dann ja. Wenn Sie beginnen, Spaß daran zu haben, neue Menschen kennenzulernen, dann nein. Um zu kontrollieren wie viel Zeit man tatsächlich für das Kontaktpflegen aufwendet, lohnt es sich, sich selbst ein Networking-Zeitbudget vorzugeben. Das verhindert, dass man gerade in Internet-Netzwerken unnötig viel Zeit beim Surfen verplempert.

  • Irrtum 5: Nur angesehene Clubs helfen der Karriere.
    Hat man wirklich nur dann ein gutes Netzwerk, wenn man einem namhaften Club angehört? Nein: Denn wenn Sie nicht dazupassen oder sich unwohl fühlen, wird die Mitgliedschaft in einem teuren Club Ihrer Karriere nicht helfen. Der Erfolg der meisten Clubs liegt übrigens darin, dass ein sozialer Aspekt im Vordergrund steht. Daher verkommen die Treffen nicht zu angestrengten „Akquisepartys", sondern die Mitglieder begegnen einander zunächst auf einer freundschaftlichen Basis. Erst im zweiten Schritt ergeben sich dabei auch wirtschaftliche Möglichkeiten.

  • Irrtum 6: Ein gutes Netzwerk braucht viel Pflege.
    Vorsicht Verwechslungsgefahr: Kontakte sind nicht pflegebedürftig! Es geht nicht um Pflege, sondern um Beziehungsmanagement. Das heißt: Schlüsselkunden darf man auf keinen Fall vernachlässigen. Hier ist es auch angebracht, sich Zeit für Weihnachtskarten oder die Verabredung zum Lunch zu nehmen. Die Geburtstagstorte für jeden Angehörigen Ihres Netzwerkes muss aber nicht sein. Manchmal bedeutet Netzwerken auch, andere um Rat zu fragen, statt Geschenke zu bringen.

  • Irrtum 7: Man sollte sein Netzwerk ausmisten.
    Im realen Leben kann man sich von Kontakten im Grunde gar nicht trennen. Im virtuellen Netzwerk aber schon - da heißt das „löschen", aber Achtung! Bedenken Sie: Man trifft sich im Leben immer zwei Mal. Allerdings: Kontaktanfragen von Personen, mit denen Sie keine Schnittstellen haben, nicht zu bestätigen, ist in Ordnung. Generell gilt: Beenden Sie, wenn es nötig ist, Geschäftsbeziehungen immer so, dass Sie diese auch wieder starten könnten. Dass es Zeiten gibt, in denen man sich seltener meldet, ist hingegen normal.