Geschäftsmodell Bill Gates
Das Geschäftsmodell und die Erfolgsgeschichte von Bill Gates
Bill Gates wird gerne als der Programmierfreak gesehen, der es durch Zufall zu Reichtum
gebracht hat. In Wirklichkeit hatte er sich, schon bevor er zum ersten Mal Bekanntschaft
mit einem Computer machte, immer als erfolgreicher Unternehmer gesehen. Fortune
war seine Hauptlektüre, als er auf die Highschool ging, und als er in Harvard studierte,
verschlang er Bücher über Unternehmensführung. Für Gates war die Herausforderung,
Software zu entwickeln, eine Berufung, aber auch das Mittel, seine finanziellen
Träume wahr zu machen.
Kopieren ist billiger als selbst erfinden
Das Geschäftsmodell, das Bill Gates zum reichsten Menschen der Welt machen sollte,
lautete in etwa: Beobachte den Markt bis du ein Produkt identifiziert hast, das
es verdient hat, massenhaft verbreitet zu werden und verbreitete es dann weltweit
unter deinem eigenen Namen.
Der erste große Auftrag
Am 12. August 1981 stellte IBM, der größte Computerkonzern der Welt, seinen ersten
Personal Computer vor. Ein großer Schritt für ein Unternehmen, dessen langjähriger
Chef Tom Watson, einmal behauptet hatte, es würde auf der Welt nie mehr als fünf
Computer geben. Aber der Markt entschied anders. In den siebziger Jahren hatten
aufmüpfige Rivalen wie Apple und Commodore das Marktsegment des PC geschaffen und
die Nachfrage war immens.
Microsoft liefert das Betriebssystem für diesen IBM PC. Zu diesem alles entscheidenden
Auftrag in der Firmengeschichte kam Microsoft wie die Jungfrau zum Kinde. Niemand
dort hatte nämlich einen blassen Schimmer wie ein Betriebssystem für einen solchen
Computer aussehen sollte. Seit seiner Gründung am 4. April 1975 hatte Microsoft
nämlich nur Programmiersprachen entwickelt. Das heißt nicht eigentlich entwickelt,
sondern bereits existierende Sprachen an Computer-Modelle angepasst. Immerhin verfügte
die Firma bereits über eine gewisse Übung darin, erst den Auftrag zu ergattern und
dann das Produkt herzustellen.
Ihre Gründer Bill Gates, geboren 1955, und Paul Allen, geboren 1953, hatten Ende
1974, damals unter dem Firmennamen Traf-O-Data dem MITS Chef Ed Roberts geschrieben,
dass sie eine Version der Programmiersprache Basic entwickelt hätten die für den
MITS Altair passen würde, den ersten Minicomputerbausatz der Welt. Genau das brauchte
Roberts damals dringend und er lud die beiden ein, ihr Produkt zu präsentieren.
Der Termin verzögerte sich allerdings etwas. Schließlich kann man ganz schlecht
etwas präsentieren, das es noch gar nicht gibt. Aber nach sieben Wochen war Paul
Allen mit dem Altair Basic tatsächlich fertig und Traf-O-Data kam unter dem wesentlich
besser passenden Namen Microsoft ins Geschäft.
Aber IBM war nicht Altair, IBM war Big Blue, nicht nur der größte Computer-, sondern
auch der größte Softwarekonzern der Welt. Warum ließ sich IBM für die Basissoftware
seines PC mit einer Zweiunddreißig-Mann-Firma ein, die über keinerlei Erfahrung
mit diesem Produkt verfügte?
Nun sie hatten es vorher durchaus mit jemand anderem versucht, mit Gary Kildall,
dem Chef von Digital Research. Er hatte das Betriebssystem CPM entwickelt, das für
IBM gut geeignet gewesen wäre. Kildall aber ließ die seriös gekleideten Herren abblitzen,
die mit ihm verhandeln wollten. Er drehte lieber noch ein paar Runden mit seinem
Privatflugzeug, als mit IBM Geschäfte zu machen. Also probierte man es mit denen,
die eigentlich nur wie damals bei Altair, eine passende Version der Programmiersprache
Basic liefern sollten. Als die Unterhändler von Big Blue im Juli 1980 bei Microsoft
zu Besuch waren, standen Bill Gates und Paul Allen nicht nur pünktlich und dienstfertig
bereit, sondern hatten sich sogar in Anzug und Krawatte geworfen. Nicht dabei war
Mary Gates, Bills Mutter. Dennoch war sie für den IBM Auftrag von mindestens so
großer Relevanz wie ihr Sohn. Denn sie saß im Vorstand der Wohltätigkeitsorganisation
United Way. Dort saß außerdem ein gewisser John Opel, im Hauptberuf Chairman von
IBM, für den deshalb Microsoft anfangs die Firma von Mary Gates Sohn war. Alles
was an Gerüchten über den Intimitätsgrad dieser wohltätigen Bekanntschaft in Umlauf
ist, müssen wir natürlich als reine Spekulation zurückweisen. Wie dem auch gewesen
sein mag, Microsoft bekam den Auftrag.
Für 75.000 Dollar alle Rechte an DOS
Besser gesagt auf zwei Arten, das Kunststück bestand darin den Riesenkunden IBM
kein Produkt zu verkaufen, sondern nur eine Lizenz. Über die weitere Nutzung des
Betriebssystems, das es noch gar nicht gab, würde nicht IBM entscheiden, sondern
Microsoft. Das Kunststück gelang vor allem deswegen, weil der Computerkonzern von
seinem neuen Produkt selbst nicht so recht überzeugt war. Es handelte sich um keine
eigene Entwicklung, sondern einen aus vielen Einzelteilen zusammengesetzten Schnellschuss
verschiedener Anbieter: Diskettenlaufwerk von Tandon, Netzteil vom Zenit, Prozessor
von Intel. Warum sollte man ausgerechnet beim Betriebssystem zu tun, als hätte man
es selber gemacht, wo es doch die IBM-Programmierer für unter ihrer Würde hielten,
sich mit so einem Kinderspielzeug wie mit dem PC zu beschäftigen.
Kunststück Nummer zwei war, ein Betriebssystem aufzutreiben, um den IBM Auftrag
zu erfüllen zu können. Aber da erinnerte sich Paul Allen daran, dass vor einiger
Zeit ein gewisser Tim Paterson vom Computerhändler SCP vorbeigekommen war, er habe
ein neues Betriebssystem entwickelt, ob Microsoft Interesse daran hätte, seine Software
an dieses System anzupassen. Hatte Microsoft damals nicht, was auch am Namen des
Betriebssystems gelegen haben mag: QDOS hieß es und der Name stand für Quick and
Dirty Operating System. Das war zwar gerade angemessen für ein in zwei Monaten hingeworfenes
Programm aber nicht sehr Vertrauen erweckend. Ein anderer Unternehmer wäre in dieser
Situation wahrscheinlich zu Paterson gegangen und hätte gesagt: „Ich habe einen
großartigen Auftrag, du hast das dazu passende Produkt, lass uns das Ding zusammen
machen.“ Nicht so Bill Gates. Er Schlug dem Programmierer vor, für seine Software
die Vermarktung zu übernehmen. Honorar für Paterson pauschal 10.000 Dollar plus
15.000 Dollar für jeden Lizenznehmer. Ein Kunde stehe sogar schon bereit. Paterson
schlug ein. Was er zu diesen Konditionen sicher nicht getan hätte, wenn er gewusst
hätte, dass es sich bei diesem Kunden um IBM gehandelt hätte. Einen Monat bevor
der IBM-PC angekündigt wurde, machte Bill Gates ein noch unverschämteres Angebot:
Weitere 50.000 Dollar für alle Rechte an dem Betriebssystem und ein Vertrag bei
Microsoft. Und wieder war Paterson einverstanden. Kein Wunder, dass sich Paterson’s
Exfirma kurz darauf betrogen fühlte und Microsoft verklagte. Das Betriebssystem
war schließlich von einem SCP-Angestellten entwickelt worden. 5 Jahre später kam
es zum Vergleich. SCP erhielt eine Million Dollar, doch die Rechten an DOS, inzwischen
die Abkürzung für Disk Operation System, blieben bei Microsoft. Die erste Aneignung
von fremdem geistigem Eigentum war damit abgeschlossen. Bill Gates würde daraus
sein Geschäftsmodell machten.
Software
Hin und wieder ging Microsoft den offiziell dafür vorgesehenen Weg für die Aneignung
geistigen Eigentums und kaufte es. DOS kostete wie gesehen 75.000 Dollar. Für den
Webmail-Dienst Hotmail zahlte Gates 1997 dessen Gründer Sabeer Bhatia schon satte
400 Millionen Dollar. Meistens jedoch bevorzugte Microsoft die Eigenentwicklung,
sprich die Adaption fremder Produkte auf eigene Rechnung.
Vaporware
Durch die Tricks, die er bei dieser Strategie anwandte, machte sich Bill Gates bei
vielen Mitspielern der Softwarebranche verhasst. Da wurden neue Microsoft Produkte
Jahre im Voraus angekündigt, und nicht selten mit falschen oder verschleiernden
Angaben über den wirklichen Erscheinungstermin versehen. Vaporware - Dunstprodukte,
nannte man diese noch gar nicht existente Software, die aber schon der Konkurrenz
die Luft abdrehte. Warum sollte sich ein Käufer für das Produkt eines unbedeutenden
Herstellers entscheiden, wenn Microsoft in Kürze ein womöglich besseres Produkt
auf den Markt bringen sollte. Da werden Konkurrenzprodukte von Microsoft’s Betriebssystem
plötzlich nicht mehr unterstützt. Da wird auf Firmenkunden Druck ausgeübt, damit
sie nicht mehr bei den Wettbewerbern einkaufen.
Monopolstellung
Es wird schlicht alles getan um aus einer Wettbewerbsposition in eine Monopolstellung
zukommen, um also einen Zustand zu erreichen, in den jedes Unternehmen gern einmal
kommen möchte. Dass es aber immer nur Bill Gates schafft, nimmt der Rest der Branche
eben übel.
Standardisierung
Trotzdem muss man sehen, dass Microsoft eine Aufgabe erledigt hat, nämlich die der
weltweiten Normung. Japanische Computer sollten ungefähr so funktionieren wie brasilianische.
Der PC erwies sich als eines der wichtigsten Instrumente, um die Globalisierung
weiter zu befördern. Dafür jedoch müssen sich Computerbenutzer überall auf der Welt
verstehen, müssen über Länder- und Firmengrenzen hinweg ihre Dateien austauschen
und miteinander kooperieren können. Ohne Microsoft wäre das nicht passiert.
Bill Gates sagt: „Wenn es Standards gibt, kann man mehr verkaufen.“ In gewisser
Hinsicht führt das in einzelnen Produktkategorien zu einem natürlichen Monopol:
Ein Hersteller entwickelt ein gutes Produkt und durch die Kombination von Anwenderloyalität,
gutem Ruf, Marketing und Preisgestaltung kann er sich damit eine extrem starke Position
verschaffen.
Financial Engineering - Steuern sparen, auf Dividende verzichten
Junge, stark wachsende Unternehmen sparen sich häufig die Ausschüttung von Dividenden,
weil sie ihre Erträge von heute lieber in das Wachstum von morgen investieren. So
jung ist Microsoft schon lange nicht mehr. Auf den Konten des Unternehmens liegt
ein zweistelliger Milliardenbetrag in bar und wartet offiziell auf günstige Investitionsgelegenheiten.
Faktisch handelt es sich um nicht ausgeschüttete Gewinne. Würden Sie als Dividende
ausgezahlt müsste Großaktionär Gates diese Erträge versteuern. Solange sie in der
Firma verbleiben halten sie den Aktienkurs hoch und damit Gates’ Vermögen. Durch
den Verkauf von Aktien kann er sich seine eigene Gewinnausschüttung in der ihm passenden
Höhe genehmigen. Und nur auf die Kapitalerträge dieser Transaktionen wird eine zwanzigprozentige
Steuer erhoben. Immerhin dieses Steuerminimierungs- und Vermögensmaximierungsmodell
wurde inzwischen modifiziert. 2003 hat Microsoft erstmals in der Unternehmensgeschichte
Dividende gezahlt - 8 Cent je Aktie.
Gehälter sparen - in Optionen bezahlen
Wenn bei einem Unternehmen zu rechnen ist, dass sein Aktienkurs beständig steigt,
sind viele Mitarbeiter gerne bereit, für ein geringes Festgeld zu arbeiten, wenn
sie dafür zusätzlich mit Aktienoptionen honoriert werden. Bei Microsoft war damit
über viele Jahre hinweg zu rechnen und lange Zeit ging die Rechnung auch auf. In
den Börsenwunderjahren 1999 und 2000 entfielen bis zu 85% der Microsoftmitarbeiter
auf die Einnahmen aus Optionsprogrammen. Damit konnte sich Gates Lohnkosten sparen,
zugleich seine Profite erhöhen, den Kurs der Microsoftaktie steigern und dadurch
neue Anreize zur Bezahlung in Aktienoptionen schaffen, sowie sein Vermögen erhöhen.
Auf Hochs spekulieren - Put-Optionen verkaufen
Viele Jahre kam ein guter Teil der Bargeldeinnahmen Microsofts aus einem etwas merkwürdigen
Aktiengeschäft. Das Unternehmen verkaufte Put-Optionen auf Microsoft-Aktien und
kassierte die Optionsprämie ein. Microsoft versprach dafür zu einem bestimmten Stichtag
den Optionsinhabern Microsoft-Aktien zu einem vorher festgelegten Preis abzukaufen.
Die für die Investoren logisch genug klingende Begründung war, dass Microsoft, um
einer Verwässerung der Aktie durch die vielen Optionsprogramme zu begegnen, ohnehin
im großen Umfang eigene Aktien zurückkaufen musste, wofür es die milliardenschweren
Steuergutschriften einsetzen konnte, die es für die von den Beschäftigten ausgeübten
Optionen bekam. Durch den Verkauf von Put-Optionen konnte sogar beim Rückkauf noch
Geld verdient werden, die Optionsprämie nämlich. Es mindert lediglich den Glanz
der Gates’schen Milliarden, da sie zu einem erklecklichen Teil nicht durch Verkauf
von Software zustande kamen, sondern durch Financial Engineering, also Spekulationen
mit der Microsoft-Aktie.
Organisation
Bill Gates bevorzugt intelligente, willensstarke Partner und fördert heftige Debatten
über die Unternehmensführung. Er räumt seinen Managern viel Entscheidungsfreiheit
ein. Gates bevorzugt kleine Teams und einen äußerst konfrontativen Stil.
Personalpolitik
Microsoft geht bei der Rekrutierung aufwändig vor, um sicherzustellen, dass der
potentielle Mitarbeiter wirklich erstklassig ist. In Gates’ Firma werden Bewerber
von Teams intensiv befragt, denen sie im Falle einer Anstellung angehören würden.
Das Urteil der übrigen Team-Angehörigen hat hier großes Gewicht. Steve Ballmer,
der Vater der Personalpolitik des Softwareproduzenten, wählt Kandidaten nach ihrer
Eignung aus und nicht nach dem aktuellen Bedarf. Es sei Unsinn, so erklärte er,
einen Kandidaten, der sich im Vorstellungsgespräch als perfekt erwiesen hat nur
deshalb nicht einzustellen, weil keine Planstelle vorhanden sei.
Zusammenfassung
Bill Gates und Paul Allen waren in Sachen Taktik gewiefte Partner. In der Zeit,
als Allen für Honeywell arbeitete, besuchte Gates Havard, wo er beachtlich viel
Zeit mit Pokern verbrachte und damit seine strategischen Fähigkeiten trainierte.
Mit der kühnen Taktik, ein Softwareprodukt anzukündigen, bevor es existiert, leisteten
Gates und Allen ihre erste Vorarbeit im Produzieren so genannter „Vaporware“ als
Mittel, Konkurrenten davon abzuhalten ihre Produkte weiterzuentwickeln. Ein Kritiker
formulierte es so: „Ein Produkt anzukündigen, das nicht existiert, es nach dem Modell
der besten Version, die irgendwo vorhanden ist, entwickeln, eine Version vorführen,
die nicht ganz funktioniert und schließlich das Produkt nach einer langen Verzögerung
in einer ziemlich fehlerhaften Form herauszubringen.“
Ein weiterer Schachzug gegen die Konkurrenz war die Null Preispolitik. Steve Ballmer
merkte 1997 im Rahmen des Microsoft-Netscape-Konkurrenzkampfes an: „Wir verschenken
einen ziemlich guten Browser als Teil eines Betriebssystems. Wie lange können sie
überleben, wenn sie ihn verkaufen?“
Gates hat einen natürlichen Hang dazu, auszutesten wo die Grenzen sind und so halfen
ihm auch seine früheren Erfahrungen darin, Verträge auszuhandeln die Software-Kriege
durchzustehen. Schon als er noch an der Highschool war, verkauft er mit hoher Effektivität
Programmierdienste an Firmen, Schulverwaltung und kommunale Beamte. „Wenn jemand
wissen will, warum Bill Gates dasteht, wo er heute ist, dann meiner Meinung nach
deshalb, weil er schon sehr früh Erfahrungen mit Verhandlungen gemacht“, meinte
ein Highschool-Kommilitone.
Gates war nicht nur ein hochtalentierter Programmierer. Er musste nicht erst in
die Rolle des Managers schlüpfen, da er sich schon immer als erfolgreicher Unternehmer
gesehen hatte. Als solcher bewies er nicht nur Führungsqualitäten sondern auch großes
strategisches Talent bei der Produktentwicklung. Er entwickelte sich auch zum Meister
der Organisation, der Personalpolitik und der Motivation.
Die Dagoberts. 9 CDs + mp3-CD . Eine Weltgeschichte des Reichtums - von Krösus bis
Bill Gates
Die gemeinsame Stiftung von Bill Gates und seiner Frau Melinda, die über ein geschätztes
Vermögen von annähernd 29 Milliarden US-Dollar verfügt, hat bis heute etwa 7,5 Milliarden
US-$ des Privatvermögens für wohltätige Zwecke gespendet, meist für die Bereitstellung
von Impfstoffen und weitere Gesundheitsprojekte in Entwicklungsländern in Afrika
und Asien.