Trotz sozialer Nachteile in Spitzenpositionen
Warum es Frank Stronach, Rachida Dati oder Alfred Gusenbauer bis nach ganz oben
geschafft haben
Michelle Robinson, verheiratete Obama, zum Beispiel. Amerikas neue First Lady stammt
aus einem Arbeiterhaushalt: Der Vater Hausmeister, die Familie lebt in einem schwarzen
Viertel von Chicago. Aber Michelles Leistungen in der Schule sind herausragend,
sie überspringt eine Klasse, wird in ein Begabten-Programm für schwarze Kinder aufgenommen
und macht die Highschool in Rekordzeit.
Die renommierte Princeton-University absolviert sie trotz Diskriminierung mit einem
Cum-laude-Abschluss, an der Elite-Uni Harvard macht sie ihren Doktor in Jus. Die
Eltern haben ihr früh vermittelt: „Das Leben ist nicht fair. Du musst hart arbeiten,
um zu bekommen, was du willst."
Selbstdisziplin, Ehrgeiz und Aufstiegswillen ließen Julia Timoschenko aus einfachen
Verhältnissen zur Premierministerin der Ukraine emporsteigen.
Auch Frankreichs Noch-Justizministerin Rachida Dati boxte sich von ganz unten durch:
Einwandererfamilie, Sozialbausiedlung im Burgund, der Vater Maurer aus Marokko,
die Mutter aus Algerien und Analphabetin. Sieben Schwestern, vier Brüder, Rachida
geht mit der Mutter putzen und verdient als Hilfsschwester nachts Geld, während
sie tagsüber für die Matura lernt.
Menschen, die aus Arbeiterfamilien kommen, entwickeln oft sehr viele Eigenschaften,
die auf dem Weg zur Spitze wichtig sind. Sie sind stressresistenter, oft sehr früh
selbstständig, und sie erlernen das Prinzip der Selbstmotivation. Sie scheuen weniger
Konflikte, lernen, sich durchzusetzen und für ihre Sache zu kämpfen. Also im Prinzip
genau jene Eigenschaften, die in Machtpositionen erforderlich sind.
Russlands mächtigster Mann, Wladimir Putin, kommt aus einfachsten Verhältnissen.
Der Vater Schlosser in einer Fabrik für Waggonbau, die Mutter, eine ungelernte Hilfskraft,
kann kaum lesen und schreiben. Die Familie lebt auf 20 Quadratmetern.
Auch Gerhard Schröder, der deutsche Ex-Kanzler, wird in ärmlichen Verhältnissen
groß. Sein Vater verdingt sich als Arbeiter auf Volksfesten, als er dann im Krieg
fällt, muss sich Schröders Mutter alleine durchschlagen. Schon als Jugendlicher,
so die Sage, soll Schröder an den Gitterstäben des Kanzleramts gerüttelt haben.
Mit den Worten: „Ich will hier rein!"
Auch Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer kommt aus einer Arbeiterfamilie. Der kleine Alfred
soll den Aufstieg zum Bundeskanzler schon im Sandkasten vor Augen gehabt haben.
Also: Alles ist möglich, man muss es nur stark genug wollen?
Einer, der fest an den amerikanischen Traum glaubt, ist Arbeitersohn Frank Stronach.
„Die Entwicklung im Leben ist eine Frage des Schicksals und der Umstände. Wenn man
zur richtigen Zeit am richtigen Platz mit den richtigen Eigenschaften ist, ist sehr
vieles möglich," sagt Frank Stronach. Ein Geheimnis seines Erfolgs: „Es ist wichtig,
jeden Tag darüber nachzudenken, was man besser machen kann."
Nach welchen Kriterien er selbst Leute für Top-Jobs auswählt? „Bei der Beurteilung
eines Menschen achte ich darauf, dass er eine gute Einstellung hat. Und darauf,
wie er sein eigenes Leben gestaltet und im Griff hat."
Menschen, die sich von ganz unten nach oben arbeiten, können als Chefs oft unbequem
sein. Weil sie selbst eine enorme Leistungsbereitschaft, enorme Ausdauer und hohes
Stehvermögen haben, verlangen sie das auch von anderen. Da werden auch die Ellbogen
kräftig ausgefahren, weil das ihr Lebensprinzip ist.
Auch Rachida Dati, von Präsident Sarkozy aus dem Amt geschubst, wird autoritärer
Führungsstil nachgesagt. Der Verschleiß an Mitarbeitern war angeblich hoch. Dati
soll demnächst ins EU-Parlament wechseln.
Erfolgsgeheimnisse der Aufsteiger